IXI

  • Projektziel: Produziere die zwölf Songs mit Musikern des LIN DEN HOF Orchestra immer zum Monatsanfang zu einem Video, einem Dolby Atmos gemischten Song und einem Remix
  • Beteiligte: Christine Hackenbger, Julia Haug, Thomas Aschenbrenner, Kai Hofmann, Norman Young, Detlef Hora, Ralf Strohwasser
  • Mittel: Audioaufnahmen z.T. auf dem LIN DEN HOF, nachproduziert in Logic Pro. Videoaufnmahmen vom LIN DEN HOF im Vormonat und Aufnahmen aus Webcam auf dem LIN DEN HOF, produziert und mit Schriften versehen via Final Cut Pro
  • Start: 1.1.2022
  • geplantes Ende: 31.12.2022

Aus den zwölf im Jahr 2021 aufgenommennen Tracks von 12 entstehen in diesem Jahr je ein Final Mix, ein Remix und ein Video pro Monat. Ein akkustischer und visueller Jahreskatalog vom und mit dem LIN DEN HOF und seiner Pflanzen. Die Videos sind wie Kalenderblätter, die in der Stimmung auf dem LIN DEN HOF zu dieser Jahreszeit das Thema typographisch begleiten sollen. Die Comicsprache der Filter entspricht dem Look&Feel der https://lindenhof.taglinger.de . Neben den in Dolby Atmos gemischten Songs (um die Räumlichkeit der Songs zu betonen) haben die Remixes die Funktion eines onsite Soundtracks, können den Besuch auf dem LIN DEN HOF zur jeweiligen Jahreszeit begleiten und einfach im Hintergrund bei Festen laufen. Sie nehmen die wesentlichen Motive der Songs auf und trällern sie vor sich hin.

Die Songs je Monat auf Bandcamp

Oktober

Der Oktober beginnt mit Regen und der Song ist auch mehr eine innere Schau in die Herbstdepression, die sich in einem Regenwetter findet. Ich habe die Aufnahmen schon im September gemacht, weil ich starken Regen dazu brauchte, aber das Licht und die Atmosphäre sind klar im Herbst verortet. Der eigentliche Bildschnitt war in 20 Minuten erledigt, aber ich habe nach dem gesucht, was die Bilder in mir anklingen liessen. Und je mehr ich über die Shots getextet habe, desto mehr verstand ich den inneren Sinn des Songs. Ich habe wie viele diese Melancholie des Herbstes in mir, wenn es regnerisch wird. Und der LIN DEN HOF verstärkt sie bei einem solchen Wetter. Allerdings ist sie mir angenehm. Ich mag dieses Zurückziehen in meine Traurigkeit, weil dort Geschichten auf mich warten. Wie Kerzen in der Nacht. Das Video ist eine Einladung mit mir dorthin zu kommen.

September

Das Heitere der vergangenen zwei Monate ändert im September seinen Ton, denn der beschriebene Hagelsturm beendet den Sommer. Als ich den Text dazu für diesen Monat schrieb, war ich mir nicht sicher, ob ich auch den richtigen Monat für einen so späten Hagel gefunden habe, und wenn ja, ob ich auch einen solchen auf Film vor Ort bannen konnte. Es hagelt – glücklicherweise – nicht oft auf dem LIN DEN HOF. Aber an einem Spätaugust Morgen wurde es schwül und stürmte, und an der folgenden Nacht, als ich mit einer Zigarre in der Hängematte lag, wetterleuchtete es so stark, dass die Aufnahmen – mit dem Trick eines digitalen Regens und mehrerer Blitze übereinander durchaus beeindruckend wirken und die Beklommenheit vor einem Hagel – vor allem für Landwirte und Gärtner – gut rüberbringen.

Nachtrag: am 18. September, am Ende eines Spaziergangs mit Anatol Locker, nach unserer LIN DEN HOF Session, fing es tatsächlich das Hageln an, und zwar sintlutartig. Ich konnte, nachdem wir uns in die Werkstatt retteten, noch eine Minute davon aufnehmen. Habe diesen Shot dann nachträglich in das Video eingearbeitet. Authentischer geht es also nicht.

August

Das „Halbzeitfest“ der MusikerInnen von IXI Anfang Juli war der perfekte Moment, um eine Menge an Lampions aufzuhängen und zusammen zu jammen. Es gibt hier dazu auch einen längeren Eintrag. Der Abend war magisch. Und die Aufnahmen davon erscheinen logischerweise auch in diesem Video, auch wenn leider Norman Young, der die unglaubliche E-Gitarre auf dem Track spielt, nicht mitgefeiert hat.

Juli

Als klaren Bruch zum Juni zeigt das Video die beiden SängerInnen, Julia Haug und Harald Taglinger, wie sie im Garten „wargeln“ und Spass dabei haben, über die Wiese zu rollen. Dabei geht die Kamera zuweilen mit und zeigt die Bewegung aus ihrer – schwindlig machenden – Perspektive. Die Aufnahmen entstanden übrigens kurz vor dem Shooting für den August und während des „Halbzeitfestes“ für die Musiker. Es war ein lustiger Abend, was man dem Video auch durchaus ansehen kann.

Juni

Die „Weitermaschine“ beschreibt Pflanzen in ihrem Willen zu wachsen. Durch nichts sind sie aufzuhalten. Das ist eine positive Kraft, die aber weder lyrisch noch romantisch dazustellen ist. Im eher an King Crimson orientierten Groove voller Guitarrensynthies und Arpeggios spielte Ralf Strohwasser eine vorsichtige Gitarre ein (und das, während vor dem Haus ein Balkon abgerissen wurde…), die ich stark verzerrt und in eine Sphäre gerissen habe. Vollkommen neue Welten gehen so in seinem Spiel auf. Der Einsatz eines neuen iPhones mit seinem Kino Filter ermöglichte dazu die fokussierten Kamerafahrten, die mit den in einem Video-Tracking gestalteten Pflanzenmaschinen gipfeln. So bekommt das Video den vielleicht surrealsten Touch von allen.

Mai

Die Marienanbetung in ihrer MYstik ist das Thema des Mai. Um dieses innere Licht und die Wärme der Maienandachten zu symbolisieren, geht die Kamera zum Gesang meiner Schwester über die Solarlampen der Wiese und findet sich auf einem Handkreis wieder, den meine Kinder, der Neffe und zwei Gäste bildeten. Der Anklang an Peter Garbiel ist dabei durchaus gewollt. Sowohl im Klang des Tracks als auch in der anlegten Grundstimmung des Videos.

April

Das Grüne der aufkeimenden und spriessenden Pflanzen aber auch der Hausfassade des LIN DEN HOF finden in einem bluesigen Stück ihren Klang. Das hat natürlich auch mit der Harmonica von Kai Hofmann zu tun, die den vorher schon erstellen Groove kongenial aufnimmt und ihn vorantreibt. Beim Erstellen des Videos hatte ich irgendwann begriffen, dass das Grüne als Farbe der Schaffung steht, als Mutterfarbe des LIN DEN HOFs als Stellvertreter der Einladung.

März

Der März Song ist durch die fantastische Stimme von Julia Haug geprägt. Ich freue mich an ihren Einwürfen und habe sie im Remix stärker hervorgehoben. EIne Stelle muss ich darin noch korrigieren, an der die Vocoder Harmonien etwas unsauber auf ihrem Gesang liegen, aber sonst funktioniert der Remix durch den einfachen Kniff, in einer verdoppelten Songstruktur den Gesang von Jula frei laufen zu lassen. Die Feuermetapher prägt natürlich das Video, und das Knistern des Holzes ist live zum Song dazugesetzt. Ursprünglich wollte ich in der Feuerschale, im Freien das Feuer aufnehmen, aber als ich die Reste von geschnittenen Bäumen gesehen habe, fand ich es so im Partyraum und im Kamin aufgenommen eigentlich viel besser.

Februar

Zusammen mit den unglaublichen, ungeschnittenen Sax Soli vom Nachbarn Detlef Hora erzählt der Februar vordergründig von Äpfeln, die im Apfelkeller auf den Verzehr warten. Als ich auf dem LIN DEN HOF aufwuchs wurden die letzten Äpfel der Vorjahresernte in diesem Monat gegessen und prägten den Monat. Aber natürlich spielt das Motiv auch mit der Metapher der Versuchung. „I will ean hau“ ist ein Verlangen. Die Äpfel balancieren wie Hoden auf der Hand. Sex schwingt hier mit. Aber keine Bange, der LIN DEN HOF ist keine Orgienstätte.

Januar

Die Einsamkeit des Januars und der Schneefall draussen, die Kälte und die Wärme auf dem Sofa sind das Thema des Monats. Das Schlagzeug von Tom Aschenbrenner hebt das Klirren des Eises noch einmal hervor. Scheinbar gegenläufig steigert sich die Einsamkeit im Techno Style Finale mit dem Schneefall der vielen Wörter und Chorstimmen. Der Schnee ist durch drei Webcams aufgenommen, um die Entfernung vom Haus und das Einsame noch zu betonen. Alle Bilder laufen rückwärts, was man nicht unbedingt registrieren muss, was aber zusammen mit der Zeitraffer und den einsetzenden Comicfiltern die Szenerie enthebt.

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