Sakristei

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Mit dem Umbau des LIN DEN HOF zu einem Atelierhaus kam in mir die Idee auf, passend zu jedem Monat des Jahres einen Soundtrack für den Aufenthalt dort zu schreiben. Der soll je einen Song mit Video und eine Ambient aufweisen und dann für den Monat zur Verfügung stehen.

Ich habe 2020 im Advent 12 Basic Tracks mit Schlagzeug und Bass eingespielt und dann in jeder Raunacht vom 26.12. – 6.1.2021 insgesamt 12 Texte geschrieben, die zum jeweiligen Monat, für den die Raunacht steht, passen. Im Allgäuer Dialekt, weil ich ihn auf dem LIN DEN HOF spreche. Sie handeln von den Pflanzen auf dem LIN DEN HOF im Jahreszyklus. Vom Garten, nicht von den Menschen, nicht von den Häusern oder den Dingen dort. Die Pflanzen stehen für das Werden und Vergehen im Jahreszeitenlauf.

Der Probenboden, auf dem die Aufnahmen der MitmusikerInnen entstehen.

Dann arbeitete ich im Jahr 2021 passend jeden Monat den jeweiligen Song aus, sang ihn ein, instrumentierte ihn, orchestrierte ihn, und suchte die Musiker/Musikerinnen im Freundeskreis aus, die vor Ort die Songs rückwirkend mitgestalten wollten. Sie wohnen entweder vor Ort oder machen auch schon sonst mit mir Musik. Spannend war zu erleben, wie ihre Teilhabe den Song noch einmal wesentlich veränderte, ihm erst den Charakter gab. Hier sind die 12 Tracks in einem ersten Mix.

Januar Mix 1 / Thomas Aschenbrenner, SYNCOPY DRUMs
Februar Mix 1 / Detlef Hora, JAZZY SAXes
März Mix 1 / Julia Haug, ANGEL VOICEs
April Mix 1 / Kai Hofmann, HARPs
Mai Mix 1 / Christine Hackenberg, MARIA CHANTS
Juni Mix 1 / Ralf Strohwasser, SPHERIC GUITARs
Juli Mix 1 / Julia Haug, SOLO & CHOIR VOICEs
August Mix 1 / Norman Young, FUNKY BLUES GUITARs
September Mix 1 / Kai Hofmann, ALL HARPs
Oktober Mix 1 / Ralf Strohwasser, BOUZOUKI
November Mix 1 / Thomas Aschenbrenner, DJEMBE / HIHATs
Dezember Mix 1 / LIN DEN HOF All Stars, ALL INSTRUMENTS EXCEPT SYNTHs

Die Idee im gleichen Monat wie sie dazu gedacht sind die Songs entstehen zu lassen ist es, die Stimmung des Monats in den Song einfliessen zu lassen und so in der Zeit zu übertragen. Es ist spannend und anspannend zugleich am Anfang des Monats noch nicht gewusst zu haben, wo ich mit den Tracks landen werde. Manchmal gab es komplette Umarbeitungen der ursprünglichen Idee wie beim Mai, wo der Rhythmustrack verschwunden ist und der Song sehr sphärisch wurde. Manchmal wie beim Juli ging die Form sehr schnell ihren Weg, brauchte aber dann im Finish noch einmal einen grossen Eingriff in den Stimmen zusammen mit Julia, manchmal wie beim August ging alles glatt durch bis zum Draft Mix hatte dann aber einen entscheidenden Kick durch die Gitarrenarbeit von Norman.

Schwesterherz besingt cool den Mai.

Was mir überraschend viel Schwierigkeiten machte, ist der Gesang im eigenen Dialekt. Es sind nicht die ersten Stücke, die ich so aufnehme, aber Phrasierung meiner Kindheitssprache passt nicht immer in den Groove, und vor allem kann das Allgäuerische sehr nasal gesprochen sein, was dann dem Gesang einen nicht immer angenehmen Oberton gibt.

Julia neben ihrem Kumpel.

Aber es gibt diese Sternstunden, wenn dann zum Beispiel meine Schwester vor das Mikrophon tritt und den „Mai“ einsingt, wenn sie ein Stück Magie erzeugt, die ich unmöglich mit meinen Effektgeräten und dem ganzen Krempel zuwege bringe. Oder wenn die Diskussion über den Groove einen Track fast komplett ohne Rhythmussection lässt und die Drums in eine neue Richtung treibt. Das hebt die Tracks dann auf eine neue Stufe. Oder wenn Julia beim März so richtig aus sicher heraus geht. Oder wenn Detlef cool mit seinen zwei Saxes vor der Türe steht, und fehlerlos mich mit 5 perfekten Takes an die Wand macht. Das ist der wirklich Spass an diesen Projekt.

Detlef hebt ab.

Ralf Strohwasser und Norman Young haben einfach mal so grossartige Soli auf der Bouzouki und der Strat abgeliefert. First Takes. Jetzt sind nach der Session mit Thomas und Norman alle 7 GastmusikerInnen auf Band, für den Dezember steht noch ein Gesang von Christine auf dem Programm, und ich habe ein wenig getrickst, um alle Beiträge in ein grosses Dezember Finale zu bringen. Mich haut das Zusammenspiel um, und dabei war es nur virtuell…

Da das Jahr der Produktionen nun abgeschlossen ist, finalisiere ich 2022 jeden Monat den entsprechenden Song und das daraus gewonnene Ambient, publiziere zusammen mit einem Video. Der Soundtrack für den LIN DEN HOF steht. Er wird über die Jahre immer wieder ein Update erhalten. Neuversionen, akkustische Versionen, etc. Warum sollte so viel Spass einfach aufhören.

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