Sakristei

Wut. TAG LIN GER.

Nach dem wunderschönen TaglingerYoung Projekt 2019-2020 und während des laufenden Projekts 12, das 2022 monatlich erscheinen wird, beginne ich mit einem neuen TAG LIN GER zum Thema Wut.

Jede der bisherigen TAG LIN GER Arbeiten hatte ein drunterliegendes Motiv oder eine Machart, so wie Man will sich Exfreundinnen als Erinnerung vorgenommen hatte, ging es in alt um das Thema des Alterns. Die Musik folgte dabei auch einer prinzipiellen Machart, orientierte sich bei Man will an den Beatles, bei alt an Pop aus den 90ern, aber sie war nicht im Text festgezurrt. Bei WUT soll das ineinander greifen.

Derzeit suche ich mit einem ersten Demo, das ich von Mirko Jazbek gegenhören und beraten lasse, nach dem passenden Sound, der härter, mit mehr Verzerrung und elektronischer zugleich klingen soll.

wut eins

So klingt WUT 1 nach drei bis vier Versuchen

Eine Version, die eher mit Chorgesang und als Pop daherkam, habe ich dabei schon wieder komplett verworfen. Sie klingt zu sehr nach allem, was ich bisher gemacht habe. Daher der Schwenk auf eine Art von Rosenkranz, der den eigentlichen Voice-Anteil ruhig hält und sich im Beat und vor allem in den Gitarren und Samples verzerrter austoben soll. Einfach in ein Mikro zu schreien kann es nicht sein.

Remix der ursprünglichen STEMs zu einer durchgehend tanzbaren Version. Die Stimmen sind weiter in den Vordergrund gemischt.

Die Idee ist es dabei, tanzbar und redundanter zu sein, fast in Richtung Postrock oder Krautrock abzubiegen und mit viel Elektronik Dynamik in die Stücke zu bekommen. Auf einer Wanderung in den Schweizer Alpen bin ich mit viel Kraftwerk im Ohr auf eine andere Machart gestossen. Wieder, längst im Gehör. Die könnte weiterhelfen. Das Stück ist eigentlich ein dreigeteiltes, das die klassische Strophen/Chorus Form verloren hat. Ich sollte aber das Tryptichon noch ausarbeiten und im ersten Drittel den Gesang herausarbeiten, den Feedback Teil Stakkato-artiger setzen und den Schlussteil wirklich tanzbar und sehr elektronisch aufbauen, um abgehen zu können.

wut zwei

wut zwei noch ohne Voices und Zerr-Bass

In den Fussstapfen von Nine Inch Nails arbeite ich am zweiten Track. Nicht weil ich den schon vorziehen wollte. Er ergab sich sehr schnell als Test der neuen LOGIC Version mit Dolby Sechskanal. Der Track ist jetzt auch in Spacial Sound gemischt.

wut zwei als fertiger Mix mit Voices und Talking Slide Guitar

Der Track suggeriert eine Hookline, hat aber keine, alle Teile stehen nebeneinander im Gesang und haben keine Strophen- oder Refainstruktur, sie wären unendlich oft miteinander und nacheinander kombinierbar. Aber ich überlege, die ersten beiden Tracks in einander zu mischen, so als wären sie ein Stück. Zuerst banal, indem ich das Zweite in das Erste überblende, aber vielleicht gehen dann auch Verschachtelungen, wenn man beide zusammen gehört hat. Als Siamesischer Soundzwilling.

wut drei

wut drei – noch als reiner Basetrack, der noch keine Gitarren oder Stimmen hat.

Beim Durchhören der ersten beiden Stücke in einem Seitental bei Erstfeld scheint es mir angebrachter, elektronischer zu werden und auch mehr die klasssischen Strukturen eines wohltemperierten Klaviers zu verlassen. Dazu habe ich einen reinen Tritonus auf einem Buchla simuliert und dann langsam über einen Basisrhythmus den Groove dazu gebaut. Zuerst ohne feste Vorgabe, zusammen mit einem einzigen Akkord auf „h“ und „d“ aufbauend, der dann auf einem einzigen Ton „g“ wieder absteigend zunächst verharrt.

Die Stimmen haben sich jetzt zuerst über den Quasi Refrain gefunden, sie sind wie in den Strophen Rosenkranzartig aufgebaut.

wut vier

wut vier – Basetrack mit Gitarrenarbeit, noch ohne Gesang

Der Methode von wut drei folgend arbeite ich wieder an einer Drohne entlang, die sich erst einmal ohne feste Strukturabsicht entwickelt. Es folgt dann eine Einteilung in drei Kreise, an die sich ein Rhythmuspattern aus einem digitalen Drummer anhängt, das sich in drei Ausbaustufen zu steigern beginnt. Dementsprechend setze ich einen eher vorsichtigen Bass, dann in einem Flanger weiter, der sich dann zum „Mörderbass“ entwickelt. Die logische Gitarrenarbeit dazu muss sich von einer Sphäre dann zu einem kantigen Lick und schliesslich in eine Verzerrungsorgie entwickeln. Jetzt habe ich eine Ahnung, wie sich der Gesang dazu entwickeln kann, denn er sollte vermutlich vom hohen Register in eine tiefe Oktave wandern und abkühlen, um den Stufen mit den verzerrten Gitarren entgegenzuwirken.

wut vier mit Gesang und Zusatzgitarre

2022

Inzwischen habe ich alle bisherigen Tracks und weitere drei aus dem Stehsatz bearbeitet und in Dolby Atmos als Beta gemischt, um die EP als Ganzes bearbeiten zu können. Hier sind die sieben Tracks.

wut eins
wut zwei
wut drei
wut vier
wut fünf
wut sechs
wut sieben

Die beiden „Wut“ Songs eins und sieben sind die inhaltlichen Klammern. zwei und fünf, sechs sind als Liebeslieder zu sehen. drei und vier beschäftigen sich mit Menschen, die Wut in mir auslösen. eins und sieben benennen die Wut an sich.

Alle Betas sind in Dolby Atmos gemischt. Sie sind noch unausgewogen im Mix, stellen aber schon die Räume dar, in denen die Songs stattfinden, die übrigens stark im Einfluss von „Kowalski“ stehen, aber die Band kennt leider niemand mehr, auch wenn er sie in den 80ern vielleicht noch erleben konnte… Schlagende Wetter ist aber jetzt wieder auf Spotify zu finden. Lohnt sich allemal.

Es geht jetzt darum, diese Tracks immer wieder durchzuhören, sie neu zu mischen und ihnen einen bündigen Sound zu geben. Das heisst, die Klänge auszudünnen und präsententer zu machen, holprige Übergänge zu beseitigen. Fertig ist eine neue TAG LIN GER EP … vielleicht im Juni 2022.

1 thought on “Wut. TAG LIN GER.

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