Mobile by design

Seit fast 30 Jahren arbeite ich mobil. Das klingt heute nach wenig, damals hatte es zur Konsequenz, schon einen der ersten Toshiba Laptops zu haben, um in einem alten Friedhof in Nordschwabing auf der Wiese sitzen zu können, dort C programmieren zu lernen. Kein Vergleich zu dem, was heute geht. Ab 1993 kam ein Modem im Laptop dazu, der immerhin 90 Minuten ohne Strom auskam. Und schon CompuServe oder Datex-J für’s Online Banking nutzen konnte. Das macht heute schnell eine App.

1997, also vor 20 Jahren, das erste Mal wirklich online und remote in London unterwegs habe ich versucht möglichst mobil zu arbeiten, bin in Museen gegangen, um dort zu schreiben, habe in einem Wohnzimmer in Clapham das Kapitel begonnen, das ich am Nachmittag in einerm Café in Soho beendete und abends nach München schickte. Von damals gab es zwei Regeln, die sich mit mobilem Arbeiten einstellten:

  1. Mobiles Arbeiten macht den Arbeitstag zu einer Reise mit beliebig vielen Stationen.
  2. Je schöner die Umgebung ist, desto schwieriger stellt sich Effizienz der Arbeit ein.

Aber seit einem Jahr habe ich den Unterschied zwischen mobilem Arbeiten und einer fixen Arbeitsstätte praktisch aufgehoben.

Neben den Arbeitsplätzen in der heimischen Sakristei und im Headquarter von Citrix mit Blick auf den Rhein nutze ich die Fahrten dahin für Mails auf dem Handy. Oder ich bin online bei einem „Call“ via Smartphone dabei. Im Zug oder auch mal in einem Café dorthin nutze ich online den Laptop und habe zudem noch fest Anlaufstellen in der Bahnhofstrasse oder an der Universität Zürich, zum Teil auch in anderen Büros des Unternehmens zum Beispiel in London oder München, gehe aber auch online, wenn ich einfach irgendwo in der Altstadt unter einem Baum sitze. Die Welt wird zum Arbeitsplatz, machmal braucht es genau den Abbau und Wiederaufbau an einem anderen Ort, um auf einen anderen Gedanken zu kommen. Ich beginne eine Arbeit morgens in der S10, führe sie im Zug nach Schaffhausen weiter, gehe mittags damit in den Park oder an den Rhein, überarbeite sie auf dem Weg nach Zürich und lasse sie mir noch einmal an einem Public Workspace durch den Kopf gehen. Alles bleibt in Bewegung. Es fühlt sich gut an, es knarzt nicht beim Schaffensprozess.

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Equipment: Diverse PCs/iMAC vor Ort, Macbook und iPhone via Bluetooth mit limitless 4G Account, AirPods. GoToMeeting und XenDesktop als Standard SW.

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Gut, und warum ist das so wichtig? Ist es mehr als ein „alles geht“ Posing und Wichtigtuerei rund um die eigene doch recht redundante Büroarbeit? Ich denke schon. Ständig in Bewegung zu sein und nicht mehr an einen Schreibtisch gefesselt zu werden ist gleichzeitig die Befreiung des eigenen Denkes. Wenn der ganze Tag zu einem einzigen Gang wird, der immer wieder neue Eindrücke hat und das eigene Land zur erweiterten Umgebung macht, in der die Arbeiten passieren, erweitern sich auch die Möglichkeiten, anderes einzubinden, weiter zu sein, auszudehnen. Die Umgebung und das Gemachte gehen einen Wechselprozess ein und finden eine neue Sprache zueinander.

Alleine das macht alles Mobile endlich sinnvoll.

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