S A K R
I STEIB
R A E U

Ein eigenes Bier für den Abend zu brauen klingt ein wenig dekadent. Aber warum nicht. Man isst ja auch die selbstgemachte Pasta mit dem hinter dem Haus gepflückten Bärlauch. Also ab jetzt – so der Plan – gibt es sorgsam gebraute 10 Liter für Freunde und mich, es wird ausgeschenkt:

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wann immer der Speidel Braumeister und eine Nacht Zeit anstehen, denn sechs Stunden vom Schroten des Malzes bis zum Abfüllen in den Läuterbottich dauert es schon, bis man einigermassen mit dem Brauen durch ist und nach vier Tagen die ersten Flaschen zur weiteren Gärung abfüllen kann. Dann warte ich noch bis zu vier Wochen, und die erste Flasche kann aufgemacht und getrunken werden. Richtig: ein wenig Timing ist angesagt, wenn man das für den verschärften Gebrauch starten will, denn an einem Wochenende fliessen schon mal 4-5 Liter Bier in einen bayerischen Magen…ja.

Immerhin erreicht man so schneller seinen Break Even. Alle Anschaffungen über Malzschaufel, Schrotmühle, Kältespirale, Braumeistertopf, Läuterbottich, Flaschen, Reinigungsmittel, Hopfen etc. rechnen sich nach etwa 200 Litern Bier… sollten die so gut und damit so teuer sein wie ähnliches, das man für sehr viel Geld in einem Bahnhofsladen in Zürich ersteht. Schweizer Bier wäre billiger? Trinke ich leider nicht so gerne, schmeckt mir selten, ist nicht wesentlich billiger…und mal schauen, ob ich auch nur so eine Plörre hinkriege…

Heute Nacht also ran an den Topf, erst einmal tagelang Videos angeschaut und studiert, was man denn wie brauen könnte. Als „alter Nerd“ gleich das Lieblingstool entdeckt und für teures Geld erstanden, Wochen darauf gewartet, aber dann los. Gegen 20:00 Uhr schroten die ersten Gerstenkörner und werden später nach dem Einmaischen zu Malz und weiter zum Sud 1, aber bis dahin sind es noch fünf Stunden. Der Automat macht eigentlich, wenn man mal begriffen hat, wann was wo hineinkommt, alles ziemlich selbständig. Ab und zu pump, piept und heizt er, ich habe Zeit und schnuppere in die Nacht hinein. Inzwischen riecht es auch unglaublich gut im Raum, der Zucker kommt aus der Gerste, und die Pumpe singt leise ein Lied mit dem Timer.

Inzwischen habe ich die 3. Rast erreicht und warte auf das Abläutern. Da wird es noch einmal eine Sauerei geben. So wie vorhin, als ich beim Einfüllen zum Einmaischen vergessen habe, die Pumpe auszustellen. Da hat es mir erst einmal einen Schwall um die Ohren gepfiffen und mich nur hoffen lassen, dass die Pumpe noch mag, wenn alles verunreinigt ist… aber bis jetzt sieht alles gut aus. Nur die Sauerei am Boden und an der Kachelwand wird mich noch einmal Extra-Putzzeit kosten. Aber das ist schon OK. Ich erinnere mich an meine Wohnung Nähe Hackerbrücke, wo es durch die Münchner Brauereien auch so gut roch. Der Duft zumindest ist ähnlich. Ich mache die Fenster zu, sonst wachen noch die Nachbarn über mir auf und kriegen Hunger.

Und ich träume jetzt davon, vielleicht schon den ersten Sud, von dem es 10 Flaschen geben wird, mit anderen zu teilen, sobald ich die erste verkostet habe und hoffentlich nicht nach hinten weg gefallen bin, weil es so grauslich schmeckt. Dann müsste ich wohl noch etwas üben, bis alles gelingt. Aber wenn es funktioniert, wie ich mir das einbilde, dann kommen alle 3-4 Wochen 10 neue Flaschen aus der Gärung, es wird einen kleinen Hinweis an Freunde geben, dass es wieder soweit wäre und man einen Schluck zusammen trinken könne. Dann trifft man sich an einem schönen Platz, lacht, trinkt, freut sich an der Gerste und daran, dass man selbst den Weg zum Paradies brauen kann. Richtig kitschig, mit Sonnenuntergang und Mundharmonika und Gitarre. So stelle ich mir das vor. Prost.

Die Nacht ist vorbei. Etwa neun Liter sind im Läuterbottich gelandet, ein halber Liter steht als „Speise“ im Kühlschrank. Der kommt noch einmal zum Rest, wenn es an das Abfüllen der Flaschen geht. Ich freu mich auf den ersten Schluck etwa um Ostern herum…und ein bisschen bin ich aufgeregt. Wäre doch schade, wenn der erste Sud daneben gegangen wäre. Jetzt, wo alles einigermassen gut über die Bühne ging und nur noch das Warten beginnt. Ein schönes Warten.

Nachtrag: Immer wieder habe ich in den vergangene 3 Wochen eine der Flaschen entlüftet. Da mit das Kohlendioxid entweichen kann, klar. Aber auch um ungläubig wahrzunehmen, dass es wirklich nach Bier riecht, was mir da in die Nase steigt. Für heute Abend habe ich mir eine Flasche, die 1 10 1, in den Kühlschrank gestellt und freue mich auf den ersten Schluck. Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass es wie Bier schmecken wird, wenn es schon so riecht. Bin auch gespannt, wie Alkohol und Stammwürze nach dem ersten wohl eher als Blindflug zu bezeichnenden Brauvorgang sich verhalten. Und ich freue mich auf Sud 2. Die nächste Braunacht wird am 25. April stattfinden. So oder so. Prost.

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